|
Die Stadt verdankt ihren Namen der russischen
Armee, die im Jahre 1869 entschied, dass die Stadt ein idealer Platz
für eine Garnison (ein Infanteriebataillon, eine
Berggeschützgruppe und zweihundert Kosaken) gewesen
wäre und als ein entlegener Eckpunkt des Reiches des Zaristen
dienen könnte.
Die Armee wurde bald von den Ansiedlern verfolgt.
Die Stadt war Garnisonstadt und regionales Zentrum, daneben wurde
Karakol auch als Ausgangslager benutzt: nach Tianschan und nach China.
Die Expedition des russischen Forschers Nikolaj Prezhevalskij benutzte
die Stadt ebenfalls als Ausgangspunkt. Prezhevalskij hat mehrere
Forschungsreisen nach Zentralasien unternommen. Er konnte aber nie das
Ziel seines Lebens Lhasa in Tibet erreichen. Als er
sich auf seine nächste Expedition nach Zentralasien
vorbereitete, infizierte er sich mit Typhus und entschied, sich am See
anzusiedeln und auf seinen Tod zu warten. Es gibt ein ihm gewidmetes
Museum in dem Haus, in dem er die letzten Tage seines Lebens
verbrachte. Das Museum ist 10 km vom Stadtzentrum entfernt, an der
Einfahrt zum Michailovka. Sechs Jahre nach seinem Tod wurden im Jahre
1888 ein Denkmal zu Ehren des Forschers und eine Kapelle in der
Nähe seiner Grabstelle errichtet. 1957 baute die sowjetische
Regierung das heutige Museum und den Garten auf.
 
Die Siedlung wurde Karakol genannt. Das Wort
Karakol heißt auf Kirgisisch "schwarze Hand' (die ersten
Siedler bemerkten, dass die Erde ihre Hände schwarz
färbte). Später im Jahre 1886 wurde die Stadt
Prezhevalsk genannt. Lenin gab ihr im Jahre 1926 ihren
ursprünglichen Namen wieder, nur damit Stalin im Jahre 1935
die Stadt wieder in Prezhevalsk umbenennen konnte.
Letztendlich wurde die Stadt im Jahre 1991 in Karakol umbenannt.
Die Siedlung hat Anspruch darauf, "Erste" in
Kirgisien zu sein: die erste meteorologische Station in der Region
wurde im Jahre 1881 hier eingerichtet, die erste öffentliche
Bibliothek Kirgisiens, sowie das erste Hippodrom ganz Zentralasiens.
Sozialen Einrichtungen wie Schulen und Parks wurden aufgebaut. Es gab
zwei Kirchen, neun Moscheen und 44 Fabriken all das
signalisiert, dass Karakol eine erfolgreiche und blühende
Stadt war.
Eine der Kirchen war die Kathedrale der Heiligen
Dreieinigkeit, eine russisch-orthodoxe Kirche. Zu Sowjetzeiten diente
die Kathedrale als Tanzhalle und während des zweiten
Weltkrieges als Schule. Auf dem Platz einer alten Kirche, die 1876
gebaut wurde, wurde das Gebäude in den Jahren 1890 bis 1895
errichtet. Während der Bauarbeiten diente eine Jurte als
Kirche für die Einheimischen. Das Gebäude besteht aus
Holzwänden, einem Fundament aus Stein und ist sehr dekorativ.
Die fünf Kuppeln in Form einer Zwiebel, die das
Gebäude krönten, wurden zu Sowjetzeiten
zerstört. Im Inneren befinden sich eine Menge von Ikonen,
dabei auch einige von Svetlij Mis gerettete Ikonen, und eine Kopie der
Heiligen Dreieinigkeit von Andrej Rublev (der im 13. Jahrhundert gelebt
hat). Heute ist das Gebäude wieder eine Kirche, an der im
Jahre 1961 und heute einige Wiederaufbauarbeiten vorgenommen werden.
Es gibt auch eine dunganische Moschee (ein
chinesisches Gotteshaus) in der Stadt, die zwischen 1907 und 1910 von
einem chinesischen Architekten und von zwanzig Handwerkern errichtet
wurde. Das Gebäude wurde vollkommen aus Holz ohne einen
einzigen Nagel aufgebaut. Die Dungans kamen im Jahre 1877 als
Flüchtlinge nach Karakol und gündeten dort ihre
kleine Gemeinde. Die Bolschewiken ließen die Moschee von 1933
bis 1943 schließen, aber später wurde sie
wieder geöffnet und funktioniert als Ort des
Gottesdienstes. Die Moschee hat eine
außergewöhnliche Dekoration, die ihr einen
einzigartigen Charakter verleiht sie ist im Inneren bunt, in
roten, grünen und gelben Farben, und zeigt verschiedene Bilder
aus der Flora, aber auch solch mythische Tiere wie Drachen und
Phönixe. Am Eingang zu dem großen Zentralraum gibt
es eine Veranda.
Es gibt ein regionales Museum mit sieben Zimmern:
ein russisches Zimmer, das die Entwicklung der Stadt und das Leben der
ersten russischen Siedler darstellt, das kirgisische Zimmer, das
Aspekte der traditionellen nationalen Kultur darstellt, ein Kunst und
Musikzimmer mit einer Sammlung von Musikinstrumenten, ein Zimmer das
ausgestopfte Tiere darstellt, die in in diesem Gebiet zu finden sind,
ein archäologisches und historisches Zimmer, sowie ein
Kumtorzimmer, gesponsert von des Kumtor Goldmine.
Der Tiermarkt am Sonntag zieht viele Besucher an,
die einfach Spaß am bummeln über den Markt haben und
in die Atmosphäre eintauchen wollen. Manche kaufen sogar ein
Tier, ein Pferd oder ein Schaf.
Mit einer großen Zahl an
Gebäuden im kolonialen Stil (manchmal werden sie auch als
"Bonbonnierehäuschen" beschrieben), den schattigen, mit
Pappelholzbäumen besäumten Straßen, mit dem
bunten Markttreiben, dem ältesten Hippodrom Zentralasiens, und
mit dem nie zu übersehendem Ala Too Terksey ("Schattig")
Gebirge im Hintergrund hinterlässt die Stadt den Eindruck
eines russischen Dorfes des 19. Jahrhunderts.
So wie die Kaiserarmee die Stadt als einen guten
Militärstützpunkt ausmachte, so ist sie auch
für Reisende ein guter Ausgangspunkt für ihre
Erkundungungen der Umgebung, oder ein Startpunkt zum Eniltscheks
Gletscher und zu den 7000m höheren Bergspitzen von Khan Tengri
oder Pobeda ("Sieg").
Demzufolge ist Karakol heute vielleicht eines der
meist bekannten Zentren für Trekking. Es gibt eine
große Anzahl von Routen in die naheliegenden Täler.
In der Nähe der Stadt liegt Dscheti Oguz mit sieben
Bullenfelsen und einem Blumental. Viele Trekker besuchen die
Täler Ak-Suu (Tepliyeklutschenki), Altin Araschan und Karakol.
In der Winterzeit ist die Skibase neben der
Karakol Schlucht südlich der Stadt sowohl bei den
Einheimischen, als auch bei den Touristen sehr beliebt.
 
|