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Discovery Kyrgyzstan travel guide #10/2008
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Die Seidenstraße - Das Erbe Kirgisiens

Trotz des Namens, den die Seidenstraße heute trägt, hat sie nicht nur aus einer Straße bestanden, sondern verband Straßen verschiedener Routen miteinander, deren Netzwerk sich in allen Richtungen über ganz Zentralasien erstreckte von Osten nach Westen, und von Norden nach Süden. Auch wenn es manche beachtenswerte Ausnahmen gab, haben sehr wenige Leute die ganze Seidenstraße im vollen Umfang durchreist, wie Marco Polo es in seinen Memoiren beschrieben hat. Viele haben nur einen Abschnitt der Strecke durchquert. Sie kannten die Routen, auf denen man Wasser finden konnte, Übernachtungsmöglichkeiten, usw. Der Weg war schwer und gefährlich und Ortskenntnisse daher lebenswichtig.

Es war jedoch nicht nur Seide, die über die Straße transportiert wurde. Mit hochwertigen Handelswaren aller Art  wie z.B. Gewürze, Schmuck, Porzellan, Pelze, Schmucksteine und andere exotische Handelswaren wurde auch gehandelt. Die Händler, die durch die Seidenstraße reisten, nahmen nicht nur ihre Handelswaren mit, sondern auch ihre Kultur, Kunst, Philosophie und ihren Glauben. Religionen wie Buddhismus, Zoroastrismus, Konfuzianismus, Christentum und Islam wurden so über die Seidenstraße weitergetragen und verbreitet. Die Seidenstraße wurde auch "Straße der Ideen" genannt. Viele Gläubige dieser verschiedenen Religionen haben ihre Heimat im heutigen Kirgisien gefunden.

Wie heute auch wurden die Grenzen zu Zeiten der Großen Seidenstraße sorgfältig überwacht. Das Ein-oder Ausführen bestimmter Waren aus dem chinesischen Reich war illegal, wie z.B. Seidenraupen oder Säbel. Der Export von Rhabarber wurde ebenfalls streng kontrolliert. Nachdem die Händler ihre Handelswaren durch das so genannte Zollamt verzollt hatten, durften sie weiter zu den Märkten, auf denen sie ihre Waren verkaufen konnten. So wurden Waren gehandelt und gleichzeitig Ideen in den verschiedenen Städten ausgetauscht, die so exotische Namen wie Antiochia, Babylon, Erzenum, Harnadan, Buchara, Samarkand, Kaschgar und Xian trugen  und in den vielen anderen Städten, die schon lange nicht mehr existieren (wie Nevkat, Suyab, Balasugin und Jul), oder deren Namen wir nicht mehr wissen.

Eine Karawane konnte im Durchschnitt circa 25 km pro Tag ziehen. Wenn der Weg es erlaubte, konnten sie auch weiter gehen, wo das Gelände aber schwer und unpassierbar war, musste sie Halt machen. An vielen Orten, an denen es gute Bedingungen gab, entstanden so Siedlungen, in denen die Reisenden übernachten konnten. Im Tschui Tal z.B. gab es drei große, einst erfolgreiche und mächtige Städte: Balasugin, Suyab und Nevkat, die in der Nähe des kirgisischen Gebirges dicht beieinander lagen. Nun sind nur der Burana Turm, einige archäologischen Überbleibsel und Erdwerke alles, was davon noch erhalten ist, wo früher die Städte waren. (Nevkat war ehemals so groß wie Rom zur gleichen Zeit)

Das Gebirge war ein großes Hindernis, das die Händler überwinden mussten, um ihre Handelswaren zu den nächsten Märkten zu bringen. Nachdem die Reisenden schon Ebenen und Wüsten durchquert hatten, die sich von Osten nach Westen ausstrecken, kamen nun ein paar der höchsten Berge der Welt, die fast die Fläche eines halben Kontinentes einnahmen. Das war eines der Hindernisse, die die Händler überwinden mussten, um zu den neuen Märkten zu gelangen.

Es gab mehrere Strecken über die Berge, durch Tunnel wie Bedel, Torugart, Terek und Irkeschtam (heute sind nur zwei davon für den grenzübergreifenden Verkehr offen: Torugart und Irkeschtam). Die Expedition eines chinesischen Forschers, der auf der Suche nach buddhistischen Manuskripten war, hatte den Bedel Pass überquert und sich in Barskoon an der Küste des Issik-Kuls aufgehalten, um sich vor dem weiteren Weg nach Tokmok und noch weiter nach Taschkent zu erholen. Die Überquerung des Bedel Passes war eine traumatische Erfahrung für die Gruppe… Der heftige Schnee hatte ihre Abreise aus Ak Suu in China verspäten lassen, was noch nicht so schlimm war wie das, was sie auf ihrem weiteren Weg erwartete -  auf der weiteren Strecke von 40 Meilen (circa 65 km) verlor die Expedition ein Drittel ihrer Teilnehmer und Tiere.

Die Wege waren steil und schwer. Es gab kaum Ansiedlungen, die den Reisenden hätten behilflich sein können. Es konnten mehrere Tage vergehen, bis die Reisenden eine Siedlung erreichten. Bemüht, einen angemessen Schritt zu wahren, schlugen sie an den Plätzen ihr Lager auf, die die geeignetesten Bedingungen dafür besaßen. Auf diese Weise entstanden die Karawanserai, eine Art Gasthaus, das Übernachtung, Essen, Wasser und Schutz vor schlechter Witterung und Räubern anbot. Wie in Tasch Rabat. Die Zeit vergeht und mit ihr gibt es immer weniger der einstmals wichtigen Siedlungen der Großen Seidenstraße. Heute stehen an diesen Orten moderne Städte wie Bischkek, Osch, Dschalalabad oder kleine Dörfer wie Krasnaja Retschka, an anderen Stellen ist überhaupt nichts mehr außer einigen archäologischen Ausgrabungen zu finden. Vieles jedoch ist in Kirgisien wie zu Zeiten der Großen Seidenstraße geblieben. Asphaltstraßen und Autos konnten die Lasttiere nur auf den engen Bergwegen ersetzen. In den dünner besiedelten Landstrichen kann man jedoch immer noch einzelne Gruppen von Jurten finden, wo sich die Schäfer noch um ihren Viehbestand auf den Wiesen in den hohen Bergen kümmern. Man kann dort innerhalb von 24 Stunden alle vier Jahreszeiten erleben.

Discovery Kirgistan #11

 

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