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Discovery Kyrgyzstan travel guide #10/2008
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Volkskunst

Seit jeher halten die Kirgisen Erzählungen in Ehren. Die Volkskunst wurde von Ayil zu Ayil (von einem Dorf zum anderem) weiter gereicht, von Bizoj zu Bozoj (von einer Jurte zur anderen). Die Erzähler wurden geachtet und manchmal nannte man sie „menschliche Nachtigal” oder Jomokchu und sie waren immer willkommene Gäste in jedem Haus. Man nannte sie Akyne und eines der Geschicke der Akynen war es Gedichte vorzutragen, ähnlich den Minnensängern im mittelalterlichen Europa. Manchmal fanden Wettbewerbe, Aytisch genannt, statt, bei denen die Aykine miteinander wetteiferten, wer den witzigstes Vers erfinden konnte.

Die Akyne überlieferten mündlich Geschichten, Mythen und die Philosophie der Nomaden Zentralasiens, eine Kultur ohne schriftliche Zeugnisse. Die Akyne waren oft auch improvisierte Geistliche, die Verslieder zu politischen und moralischen Problemen des Tages erzählten und die Gesetzesbücher der Staatschefs umformulierten. Daher spielen die mündlich überlieferten Traditionen eine wichtige Rolle beim Erhalt der nomadischen Kultur Kirgisiens. Die Sprache wurde in schriftliche Form erst im 20. Jh. kodifiziert. Man sagt, dass sogar in der Sowjetunion den Akynen grosse Aufmerksamkeit geschenkt wurde, so dass auch die Kommunisten von ihnen profitierten und sie für die Verbreitung der Parteipropaganda anheuerten. Akyne sangen oft Lieder über Lenin, die Revolution und die Leistungen der Partei.

Der größte Akyn des 20. Jhs. war Toktogul, dessen Portrait den 100 Sum Schein ziert. Auch er war Sieger bei den Aytisch. Einige seiner Improvisationen brachten ihn in Schwierigkeiten mit den "manap", d.h. Oberstammesleitern, und sie schickten ihn nach Sibirien ins Exil. Nach der Bolschewikenrevolution schrieb er Gedichte über Lenin, der unter Kirgisen häufig als Person mit demokratischen Ideen gesehen wird.

Man sagt, dass nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nur vier Akyne im Lande geblieben sind. Heute jedoch lebt diese Kunstform wieder auf: Man hat eine Stiftung gegründet, und Akynschulen eröffnet um so die alte Kunst und das Manasepos wieder ins Bewusstsein zu rufen. Das Manasepos ist nur eine der kirgisischen Sagen. Ihre Bedeutung beruht darauf, das es als längstes Epos der Welt gitl und damit sogar länger ist als die Illias oder Odyssee von Homer. Das Epos erinnert an die bemerkenswerten Heldentaten Manaschis, einem Akin, der sich auf die Nacherzählung der Geschichte Manas spezialisiert hatte. Er erzählt aus seinen Erinnerungen und symbolisiert die nationale Identität der Kirgisen.

Der Held (Manas), sein Sohn (Semetei) und sein Enkel (Seitek) kämpfen für die Vereinigung der Kirgisen und überwältigen die Feinde, befreien sie aus der Unterwerfung und führen sie zu einem Leben im Wohlstand in ihrer Heimat.

Zusätzlich zum Manasepos gibt es noch einige kleinere Epen und eine große Vielfalt an Legenden. Einige Volkserzählungen stehen in engem Zusammenhang mit den Orten von denen sie erzählen, andere mit Geschehnissen, Naturerscheinungen oder Erzählungen über Tiere. Es gibt auch moralische Erzählungen nach Art der Märchen: Sie beschreiben reiche und dumme Khane, brave Jäger, arme Bauern und Schafhirten oder schöne und brave Frauen, die gute Ratschläge geben. Am Ende der Erzählungen sind die arme und klugen Menschen die Besten. Eine Reihe dieser Erzählungen handelt von dem weisen Mann Asankayga und seinem klugen Sohn Aldar Kose.

Die meisten Geschichten beschäftigen sich mit dem Alltagsleben und stellen die Ereignisse in einer gut bekannten Umgebung dar. Einige davon propagieren allgemeine Werte und Wahrheiten, andere hingegen orientieren sich an Redewendungen und Sprichwörtern im typischen kirgisischen Stil: „billiges Hammelfleisch hat kein Fett” oder „Pferde sind die Flügel der Menschen”.

Viele Kirgisen können Musikinstrumenten spielen: besonders häufig Komuz, einer dreiseitigen Mandoline ähnlich, die fast zu allen Gelegenheiten ausgewählt und gespielt wird. Sie beherrschen ein großes Repertoire an Balladen, Liebesliedern, Arbeitsliedern und Schlafliedern. Auch diese Lieder wurden als nationale Kultur und traditionelle Volkskunst der nächsten Generation weitergegeben.

 

Discovery Kirgistan #11

 

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